Kurzfilmtournee 2017

Circular Inscription

Deutschland, Österreich | 2016 | Experimentalfilm | ohne Dialog | 7 min. | FSK 0
Nominierung Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten Laufzeit

Regie, Kamera: Lukas Marxt
Sounddesign: Tyler Lewis
Fahrer: Vanja Smiljanic
After Effects: Michael Petri

Auf einem ausgetrockneten See kreist ein Auto spiralförmig um einen Mittelpunkt. Die Kreise werden größer, der Staub, der aufgewirbelt wird, verdichtet sich. Je weiter das Fahrzeug ausholt, desto hörbarer wird das Reifenquietschen.
Davor, bis das Auto fast unerwartet die Szene betritt, passiert lange nichts.

Jurybegründung:
„Circular Inscription“ besteht aus nur einer einzigen 6.30 min dauernden Filmaufnahme und es passiert fast nichts – oder vielleicht doch?
Ein ausgetrockneter See, Sand, Himmel, Wolken, Berge am Horizont. Die Natur in einem unwirtlichen Zustand. Hier könnte man sich verirren, verdursten, sich verlieren. Kein Hinweis auf menschliches Leben, kein Haus, kein Mensch. Oder doch?
Spuren im Sand, Spuren im Himmel, Spuren im Ton und Spuren im Dunst der Berge. Der Mensch ist vor allem präsent durch das Auge der Kamera, den ausführenden Künstler und durch die Wahrnehmung des Zuschauers. Mit einer Drohnenkamera aufgenommen, bewegt sich das schwebende Bild fast unmerklich. Zeit vergeht, Zeit wird plötzlich körperlich spürbar. Es passiert sehr viel - im Kopf des Betrachters. Die Sinne werden geschärft.
Und dann hat ein Auto seinen „Auftritt“, Spuren von Musik. Es fährt in den Mittelpunkt der Einstellung und kreist spiralförmig um diesen, zieht immer größere Kreise bis an die Grenzen des Bildes, Staub wirbelt auf, die Motorgeräusche werden präsenter. Dann kreist es wieder zurück und verlässt das Bild. Durch sein Gefährt schreibt sich der Mensch ein in die Natur, doch es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird nichts mehr davon zu sehen sein.
Ohne Pathos, vielmehr minimalistisch kreiert Lukas Marxt in Anlehnung an Künstler der Land Art der 70er Jahre ein vielschichtiges zum Denken, Sehen, Hören und Fühlen anregendes filmisches Kunstwerk, das die Jury durch eine Nominierung auszeichnet.

Lukas Marxt

Lukas Marxt (*1983, Austria), lebt und arbeitet in Köln und Graz. Bis 2004 studierte er Geografie und Umweltsystemwissenschaften, wechselte dann in ein Studium der Audiovisuellen Gestaltung an der Kunstuniversität Linz. 2007/2008 war er an der Faculdade de Belas Artes de Lisboa, am Institut Arte Multimédia. 2009 folgte ein Aufbaustudium an der Kunsthochschule für Medien Köln, und ein Meisterschüler Studium an der HGB in Leipzig.

Filmografie:

2018 Imperial Valley (cultivated run-off)
2017 Fishing is not done on Tuesdays
2015 Wunderschön und ruhig gelegen
2015 Captive Horizon
2014 High Tide
2013 Reign of Silence