Bjørn Melhus

Bjørn Melhus

Bjørn Melhus (geb. 1966) studierte in den 1990er Jahren an der HfBK Braunschweig Kunst, Film am California Institute of the Arts in Los Angeles und war 2001/02 als Stipendiat des Landes Niedersachsen am International Studio and Curatorial Program (ISCP) in New York. Weitere Stipendienaufenthalte führten ihn nach Ungarn, Italien, Mexiko und Japan. Sein Werk umfasst Filme, Videos und Installationen, die international auf zahlreichen Festivals sowie in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt wurden. Bjørn Melhus lebt und arbeitet in Berlin und ist seit 2003 Professor für Virtuelle Realitäten, Studiengang Bildende Kunst, an der Kunsthochschule Kassel.

Filmografie

  • 2012 SUDDEN DESTRUCTION
  • 2011 I'M NOT THE ENEMY
  • 2010 CENTER OF THE WORLD
  • 2009 HECHO EN MEXICO
  • 2008 MURPHY
  • 2007 THE MEADOW
  • 2005 CAPTAIN
  • 2004 HAPPY REBIRTH
  • 2003 AUTO CENTER DRIVE
  • 2001 THE ORAL THING
  • 2000 GOOD MORNING NEW WORLD
  • 1997 NO SUNSHINE
  • 1995 WEIT WEIT WEG
  • 1991 DAS ZAUBERGLAS
  • 1990 AMERICA SELLS

Freedom & Independence

Deutschland 2014 | Experimentalfilm | 15 min | FSK 12

Deutscher Kurzfilmpreis in Gold für Experimentalfilme bis 30 Minuten

  • Buch, Regie, Darsteller, Schnitt und Produktion:
    Bjørn Melhus
  • Kamera: Eike Zuleeg, Ben Brix
  • Ton und Musik: Max Schneider
  • Produktion: Yuki Jungesblut

Inhalt

Der experimentelle Kurzfilm FREEDOM & INDEPENDENCE setzt sich mit dem globalen, ideologischen Paradigmenwechsel hin zu einem religiös geprägten Kapitalismus auseinander, indem er Zitate der Schriftstellerin und selbsternannten Philosophin des Objektivismus Ayn Rand mit evangelikalen Inhalten des US-amerikanischen Mainstream-Kinos konfrontiert. In einer Erzählung, die einer assoziativen Traumlogik folgt, zitieren die Protagonisten in neuen Kontexten Inhalte neoliberalen Elitedenkens und apokalyptisch-religiöser Wahnvorstellungen vor dem Hintergrund einer kaum zu fassenden Großstadt.

Jurybegründung

In einer Art Science-Fiction-Musical begegnen wir Ayn Rand, die Domina neoliberaler Wirtschaftstheorien, die der heiligen Jungfrau grimmig ihre Ideologie des Egoismus entgegenbellt. Letztere verwandelt sich zunächst in einen weißen Flumi, dann in Mr. Freedom und Ms. Independence. Diesen beiden Luftgeistern im Sport-Dress entströmen evangelikale Zitate aus US-amerikanischen Apokalypse-Filmen, während sie über türkischen Trabantenstädten dahinschweben. Gekrönt wird das Ganze von einem tanzenden Zombie-Chor in einer Leichenschauhalle. So in etwa führt Björn Melhus uns den Wahnsinn des neoliberalistischen Anspruchs vor Augen, eine universelle Heilslehre zu sein. Seine bisherigen Stilmittel – die popkulturelle Überspitzung massenmedialer Heldengeschichten im Audio Found Footage und seinen radikal subjektiven Ansatz in der ständigen Präsenz als Protagonist – führt Melhus konsequent weiter. Doch darüber hinaus, und das verleiht seinem Film auch als „typischem Melhus“ etwas Besonderes – öffnet der Film das Tor zu einem neuen Spielfeld: dem Pathos und den Überhöhungen der Oper. Hier deutet sich eine weitere Genre-Dekonstruktion an. Deswegen sind wir so gespannt, wie es wohl weitergeht in Melhusville.