Kurzfilmtournee 2017

Schwarze Welle

Deutschland | 2016 | Animationsfilm | deutsch | 13 min. | FSK 0
Deutscher Kurzfilmpreis für Animationsfilme bis 30 Minuten Laufzeit
Art Director, Animationen, Drehbuch, Regie, Produktion: Mariola Brillowska
Sprecher, Dialoge: Bela Brillowska, Felix Kubin
Ton, Tonschnitt, Musik: Felix Kubin
Zeichner: Julius Klemm

Ein schiffbrüchiger Afrikaner gerät in die Obhut einer uniformierten Meeresjungfrau, die im Beobachtungsposten mitten auf dem Meer Wache schiebt. Die dekadente, verantwortungslose Grenzbeamtin bringt den Afrikaner mit einem Militärflugzeug auf die nahegelegenen Insel in einem Flüchtlingslager unter. Dort wird er desinfiziert und samt anderer Flüchtlinge und sonstigem Abfall zurück in Meer, angeblich nach Europa gespült.

Jurybegründung:
Frau Ausweis sitzt mitten im Meer und macht gerade Mittagspause. Sie wundert sich sehr, dass der schiffbrüchige Afrikaner, der gerade 12 Stunden geschwommen ist, weder Ausweis noch Mittagessen dabei hat. Aber sie teilt dann doch ihre Vitaminkekse, ruft ihren Diener an und bringt ihn auf eine Insel, von der er später mit all den anderen Flüchtlingen wieder ins Meer zurückgespült wird. Vielleicht nach Europa, vielleicht auch nicht.
„Die Schwarze Welle“ ist nicht nur ein Animationsfilm, es ist ein politisches Statement, das unterhaltsam und bitterböse, aber vor allem völlig unprätentiös die Probleme der europäischen Flüchtlingspolitik im Mittelmeer offenlegt. Grundlage für den Film bietet eine private Aufnahme als improvisiertes Hörspiel von Felix Kubin und Bela Brillowska. Dieser Dialog wurde von Mariola Brillowska in ihrer besonderen Handschrift, in reduzierten, aber leuchtenden Farben auf schwarzem Grund animiert. Die Wirkung ihrer pointierten Bilder im Zusammenspiel mit dem trockenen Dialog zu dieser hochbrisanten Thematik ist nicht nur verblüffend sondern nachhaltig.

Mariola Brillowska

Mariola Brillowska, Medienkünstlerin, geboren und aufgewachsen in polnischen, noch kommunistischen Sopot/Danzig, ging mit 20 Jahren nach Deutschland, wo sie Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studierte. Von da an arbeitet sie an ihrer unverkennbaren Handschrift der anarchistischen Film- Theater- und Hörspielregisseurin,
Performancekünstlerin und Autorin. Von 2005 bis 2013 war sie Kunstprofessorin an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Werke u.a. Roman Hausverbot (2013).
Gewinnerin diverser Film-, Poetry- und Hörspielpreise, u.a. des ARD-Pin Ball Awards (2014), des BHF Kurzen Mikros, sowie des Oberhausener Musikvideo - Publikumspreises 2017.

Filmografie:
2017 Wulkania
2011 Des Teufels Kinder
2005 Hond Aerobic
1998 Katharina und Witt, Fiction and Reality
1990 Grabowski Haus des Lebens