Kurzfilmtournee 2021

Untitled Sequence of Gaps

Deutschland 2020 • Experimentalfilm • englisch m. dt. UT • 13 Min. • FSK 12
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten
* für VoD verfügbar*

Regie, Drehbuch:
Vika Kirchenbauer
Kamera: Vika Kirchenbauer, Rita Macedo
Schnitt: Vika Kirchenbauer
Musik: COOL FOR YOU
Produktion: Vika Kirchenbauer

Das nicht sichtbare Lichtspektrum – das, was gefühlt, aber nie gesehen wird – wird in diesem, aus kurzen Vignetten unterschiedlicher Technik und Materialität komponierten Essayfilm zum Mittel der Annäherung an traumabedingten Gedächtnisverlust. Gewalt und ihre Mechanismen, Klasse und Queerness werden dabei nicht mittels Repräsentation, sondern von innen heraus betrachtet.
Der Film verbindet planetarische Makroperspektiven, physikalische Phänomene und individuelle Berichte über affektive Subjektbildung. Sein Bilderstrom wird durch Lücken unterbrochen, die nicht weniger bedeutsam sind als die Bilder selbst. Filmmaterial, in dem das kollektive Gedächtnis für persönliche Erinnerungen einsteht, steht neben Sequenzen, die durch Infrarot-Bildgebung, unter ultraviolettem Licht oder Mikrowellenstrahlung aufgenommen wurden. Was sind die Auswirkungen des Unsichtbaren und die Macht, die der Verschiebung von Gewalt über die Sichtbarkeit hinaus innewohnt? Wie gestalten digitale Archive und Technologien das Verhältnis zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Geister tauchen aus Löchern auf, die eine erinnerungslose Kindheit in die Zeit gerissen hat, und Sichtbarkeitspolitiken werden anhand eines Hexenverbrennungsrituals im Heimatdorf der Künstlerin hinterfragt.


Jurybegründung
Das, was erinnert wird, verschwindet nicht. Aber auch das scheinbar Vergessene und Verdrängte schreibt sich in die Körper ein. Vika Kirchenbauer schichtet den Haufen an verbliebenen Schattenbildern neu; ein vages Bild einer brüchigen Identität zeichnet sich ab. Geformt durch die Angst vor Schamerlebnissen und den Zwang zur Konformität. Subtilen Formen der Gewalt fehlt ein visuelles Äquivalent. Ihre Spuren verlieren sich an den Rändern des sichtbaren Spektrums, dort, wo ultraviolettes und infrarotes Licht einsetzt. Von außen nicht wahrnehmbar, gleitet der filmische Blick auf die eigene, heimliche Wunde. Die zugehörige, längst fremdgewordene Biografie speist sich aus Erinnerungen, aber mehr noch aus dessen Verlust. Vika Kirchenbauers beeindruckender Essayfilm breitet sich multiperspektivisch aus wie ein unterirdisches Wurzelgeflecht – zwischen fragiler Subjektivität und Lichttheorie, zwischen Heimat und Hexenverbrennung, zwischen Sonnenfinsternis und Fastnacht.

Vika Kirchenbauer

Vika Kirchenbauer ist als Filmemacherin, Künstlerin, Autorin und Musikproduzentin tätig und lebt in Berlin. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit Opazität auseinander und bezieht sich hierbei auf die Repräsentation jener Individuen und Sachverhalte, die von gegebenen Normen abweichen und erörtert die Rolle von Emotionen in Kunst, Wirtschaft und Politik. Ihre vielfach ausgezeichneten Arbeiten wurden weltweit bei Festivals und in Kunstinstitutionen gezeigt, u.a. Internationale Filmfestspiele Berlin, New York Film Festival, Festival du Nouveau Cinéma Montréal, Whitechapel Gallery London, Neuer Berliner Kunstverein, Kunstmuseum Bonn und Kunsthal Charlottenborg Kopenhagen. Sie erhielt unter anderem das Kunstfonds Stipendium, das Arbeitsstipendium des Berliner Senats und das Villa Aurora Los Angeles Fellowship.

Filmografie
2018 THE ISLAND OF PERPETUAL TICKLING,
2017 WELCOME ADDRESS
2016 SHE WHOSE BLOOD IS CLOTTING IN MY UNDERWEAR
2015 YOU ARE BORING!
2014 PLEASE RELAX NOW
2012 LIKE RATS LEAVING A SINKING SHIP