Kurzfilmtournee 2021

Maman Maman Maman

Deutschland 2019 • Dokumentarfilm • deutsch, französisch • 37 Min. • FSK 0
Sonderpreis des Deutschen Kurzfilmpreises für Filme mit einer Länge von mehr als 30 bis 78 Minuten
Regie, Drehbuch: Lucia Margarita Bauer
Kamera: Lucia Margarita Bauer, Nora Lawrenz
Ton: Stefan Voglsinger
Schnitt: René Frölke, Lucia Margarita Bauer
Darstellerin: Mama
Produktion: Ann Carolin Renninger, joon film

Viel zu selten erleben wir den Prozess des Abschiednehmens als absurde, potenziell sogar urkomische Geschichte. Lucia Margareta Bauers Großmutter Babet Berger starb am 6. April 2012. Die Geschichte ihrer halbkriminellen Überführung vom süddeutschen Riedlingen via Paris (inklusive Bustour und Seine-Rundfahrt) ins französische Grab ihres Ehemanns war Ausgangspunkt zum Film MAMAN MAMAN MAMAN mit dem sie sich auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln begibt und wie selbstverständlich an der einen oder anderen Abzweigungen hängen bleibt.
Wie schon bei ihrem Debütfilm Die Schlange im Einmachglas aus dem Jahr 2013 bedient sich Lucia in Maman Maman Maman zahlreicher filmischer Quellen - Briefe, Fotos, Gegenstände aller Art, Handyfilme der Cousinen, eigene Aufnahmen der Urgroßeltern, sowie Super-8-Filme der Großmutter selbst. Entstanden ist ein kaleidoskopartiges Anti-Portrait, dessen Partikel in alle Richtungen streben, dessen Zentrum aber bis zum Schluss obskur bleibt – über das Leben und die tiefe Verwandtschaft von Tragik und Komik, Slapstick und Tod.

Jurybegründung
Ein Film ist eine Reise. Ein Leben ist eine Reise. Wenn das Leben endet, beginnt der Film, und die Absurditäten des Abschiednehmens werden zu einer Geschichte, die den Humor in allem Ernst ernstnimmt. Lucia Margarita Bauer nimmt die eigene Familie zum Anlass, um durch das Verfahren der Sammlung und des Kaleidoskops, der Ordnung und dem Spiel den Geschichten ihrer Familie Dame zu werden. Wer steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, und welche Kraft haben die Sterne, wenn ihre Energie sie sprengt? MAMAN MAMAN MAMAN ist eine kraftvolle Suggestion vom Leben, umgesetzt mit den cinematographischen Mitteln der Lust – keine Regel gilt, alles ist möglich. Das Leben ist ein Fest. Der Tod ein wunderbarer Teil davon. Ein Album wird zum Leben erweckt. Die Künstlerin Lucia Margarita Bauer konstruiert ihren eigenen Ablauf der Geschichte durch die Dekonstruktion und Neuorganisation von Ereignissen und Objekten. Sie gestaltet die Hierarchie der Bedeutungen. MAMAN MAMAN MAMAN ist eine mögliche zeitgenössische Antwort auf die Suche nach Autonomie.

Lucia Margarita Bauer

Lucia Margarita Bauer, geboren 1979 in Riedlingen an der Donau. Vater deutsch, Mutter Französin, die ihr ein fehlerhaftes Schwäbisch mit französischem Akzent beibringt. Bereits mit 13 zieht sie von Zuhause aus, lebt in Berlin und begibt sich mit 14 auf eine Reise in den Mittleren Westen der USA.
Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Irland, zieht sie mit 16 nach Ulm und beendet mit 22 ihre Goldschmiedelehre. Ohne gültigen Schulabschluss geht sie für ein Jahr nach Strasbourg an die „Ecole des Beaux Arts" und führt später das Studium in Berlin fort, mit Abschluss im Fachbereich Experimentelle Mediengestaltung in der Klasse von Thomas Arslan.
Lucia Margarita kuratierte zahlreiche Ausstellungen in Berlin, u.a. das ehemalige HBC und aktuell die Santa Lucia Galerie der Gespräche. Als Fotografin für diverse Tageszeitungen und Magazine fotografierte sie Musiker, Künstler und Philosophen wie Jean-Michel Jarre, Albert Oehlen und Claude Lanzmann.

Filmografie
2013 DIE SCHLANGE IM EINMACHGLAS