(c) Bárbara Wagner & Benjamin de Burca

One Hundred Steps

Deutschland/Frankreich 2021 | Experimentalfilm | Englisch, Gälisch, Französisch, Arabisch, Okzitanisch | 30 min. | FSK ?
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie, Drehbuch: Bárbara Wagner & Benjamin de Burca
Buch: Bárbara Wagner, Benjamin de Burca, Pedro Sotero, Daniela De Lamare
Kamera: Pedro Sotero, Joana Luz
Montage: Daniela De Lamare
Darsteller*innen: Eabha & Malachy Bourke, Mona Boutchebak, Bob Quinn, Hakim Hamadouche
Produzent*innen: Michel Balagué, Bárbara Wagner, Benjamin de Burca
Co-Produktion: Volte Films, Marseille

Die Kamera durchstreift zwei herrschaftliche Anwesen – einen aristokratischen Landsitz in Irland und ein bourgeoises Stadtpalais in Marseille – die heute als Museen öffentlich zugänglich sind. Nach und nach entpuppen sich die Besucher*innen als Performer*innen. Mit ihrer Musik ermächtigen sie sich kurzzeitig dieser aufgeladenen Orte. Immaterielles Kulturerbe tritt in Dialog mit architektonisch manifestierter Historie und die simplifizierende Unterscheidung zwischen dem „Europäischen“ und dem „Anderen“ greift nicht mehr. Indem die Machtverhältnisse sich umkehren, tut sich eine neuartige Verhandlungsebene zwischen der Vergangenheit, den Folgen dieser Vergangenheit und der Gegenwart auf.

Jurybegründung:
Führung einer Besuchergruppe durch zwei Schlösser- eines gehört einem Adligen in Irland, ein anderes einem Bürgerlichen in Südfrankreich. Die Gruppe wird durch die Räume geführt. Die Bildeinstellungen reagieren auf die Möglichkeiten der Räume, die größer als Ozeane anmuten und Blicke in Landschaften und Machtverhältnisse offenbaren. Gefilmt in Schwarz-Weiß und großer Sorgfalt. Unnahbar, unfassbar. Dann ein Bruch – unerwartet, eröffnet von einem Blick- einer Achse- dem Zentrum des Kinematografischen. Die Besucher*innen verwandeln sich in Darsteller*innen und spielen auf alten Instrumenten alte Weisen. Die Musik wird zum ephemeren Körper, fungiert als Mittler zwischen Welten. In diesem dritten, akustischem Raum etablieren Wagner & Burca ihr Narrativ, indem die Stimmen und Körper dieser Künstler*innen neue Vorstellungen um festgefahrene historische Narrative schmieden. Machtverhältnisse werden umgekehrt – Erzähler und Zuhörer wechseln sich ab. Seine Wirkmacht entfaltet »One Hundred Steps« durch eine sehr genaue hybride Sprache zwischen Dokumentation und Fiktion. Orale Geschichtsschreibung wird zur Musik, wird selber zum Denk-Mal, Hör-Mal, zur großen Schönheit, die nur im Moment selber IST.

Bárbara Wagner

(c) Heinrich Völkel
Geboren 1980 in Brasilia, Brasilien, schloss sie 2012 ihr Studium am Niederländischen Kunstinstitut in Arnheim ab. Ihre fotografische Arbeit konzentriert sich auf den 'populären Körper' und darauf, wie gewöhnliche Menschen ihre Körper einem vermeintlich interessierten Publikum präsentieren. Ihre Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, befinden sich in internationalen Sammlungen und wurden in Monographien veröffentlicht.

Benjamin de Burca

Benjamin de Burca lebt zwischen Berlin und Recife. Geboren 1975 in München, Deutschland, studierte er Bildende Kunst an der Glasgow School of Art und der University of Ulster. Zwischen 2000 und 2006 arbeitete er als Künstler mit jungen Leuten, die in Banden in Glasgow und Belfast verwickelt waren. Von 2006 bis 2008 war er Co-Direktor des Catalyst Arts Centre in Belfast. Seine künstlerische Praxis umfasst Malerei, Collage, Fotografie, Film, Video und Installation.
Seit 2011 arbeiten beide zusammen.

Filmografie (beide):
2019 SWINGUERRA
2018 RISE
2017 ESTÁS VENDO COISAS, BYE BYE DEUTSCHLAND! EINE LEBENSMELODIE, TERREMOTO SANTO
2015 FAZ QUE VAI
2014 DESENHO CANTEIRO
2013 CINEMA CASINO