(c) Olga Kosanović

Genosse Tito, ich erbe

Deutschland/Österreich 2021 | Dokumentarfilm | Serbisch m. dt. UT | 27 min. | FSK 0
Nominierung in der Kategorie Dokumentarfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie, Montage, Bildgestaltung: Olga Kosanović
Sounddesign: David Almeida-Ribeiro
Protagonist*innen: Milivoje Pantović, Nadežda Pantović, Valentin Kosanović, Tanja Kosanović
Produktion: Olga Kosanović

Ein Berghang, ein Obstgarten, ein Haus. Idyllische Bilder im südlichen Serbien. Drei Generationen unter dem Dach des Hauses, das für seine Weitergabe vorbereitet wird. Jeder mit seinem eigenen Erbe, das aber alle gemeinsam tragen müssen - Erinnerungen, Fiktionen, das, was da ist, aber keinen Platz findet, was keiner haben möchte und trotzdem niemanden loslässt. Eine Annäherung an die Geschichte, die Teil der eigenen wird. Heimat ist kompliziert, erben vielleicht eine Last und Tito wird zur Symbolfigur für etwas Gewesenes - Eine filmische Auseinandersetzung mit dem, was bleibt.

Jurybegründungen:
Ein Haus mit Obstgarten an einem idyllischen Berghang in Serbien: Dort trifft die in Wien aufgewachsene und lebende Filmemacherin ihre Mutter, den Bruder, die Großeltern, drei Generationen unter einem Dach. Ihre Mutter, die von ihrer glücklichen Kindheit unter Tito schwärmt, hatte Jugoslawien während des Krieges nach Österreich verlassen. Eines Krieges, der ein noch lange nicht aufgearbeitetes Kapitel der jüngeren Geschichte darstellt und mit dessen Brüchen in der Familiengeschichte sich Olga Kosanovich in GENOSSE TITO, ICH ERBE nun auseinandersetzt. Die grundlegende Frage, was bleibt, stellt sie gleich zu Beginn. Was soll in Zukunft geschehen mit ihrem Erbe, dem Haus und Anwesen. Was bedeutet Heimat, was bedeutet Zuhause sein? Eine Frage, die Olga nur auf Deutsch zu stellen vermag, damit der Bruder sie auch versteht. Den Film zeichnet nun in besonderem Maße aus, dass er diese gewichtigen Themen mit großer Leichtigkeit, behutsam, unaufdringlich und mit persönlicher Ansprache verhandelt. Und wie nebenbei stellt er, durch die, in lockerem Tonfall eingestreuten Kommentare des Bruders, grundlegende Fragen über die Bedeutung von Authentizität im Dokumentarfilm. Hier haben wir ein wunderbar gelungenes Beispiel!

Olga Kosanović

(c) Anna Hippert
Geboren 1995 in Österreich, ist eine in Wien lebende Regisseurin und Kamerafrau. 2020 schloss sie ihr Filmstudium an der HFBK Hamburg in der Klasse Angela Schanelec ab. 2017/18 war sie Austauschstudentin an der Filmakademie FAMU in Prag.

Filmografie:
2018 WIR-KONZEPT