DETLEV
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold - Kategorie Animationsfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie :
Ferdinand Ehrhardt
Produktion: Saskia Stirn, Ferdinand Ehrhardt
Drehbuch / Script: Ferdinand Ehrhardt
Animation: Ferdinand Ehrhardt, Gregor Wittich
Schnitt / Editing: Andreas Bothe
Bildgestaltung / DOP: Sebastian Ganschow, Leoni Gora
Tongestaltung / Sound Design: Manik Möllers, Samuel Krupke
Original-Filmmusik / Original Score: Clemens Gutjahr
Szenenbild / Production Design: Céline Ahlbrecht
Ein immerzu frierender Straßenkehrer fährt jeden Abend zu einer abgelegenen Tankstelle und bestellt sich ein mikrowellenwarmes Hawaii Toast. Diesem gibt er sich in einem heimlich bizarren Ritual hin, es ist das einzige, was ihm jeden Tage Wärme schenkt. Eines Nachts jedoch wird er von einem breit grinsenden Bauarbeiter dabei beobachtet. Detlev flieht beschämt, seine Welt beginnt auseinanderzubrechen und die verzweifelte Suche nach Ersatzwärme reißt ihn immer mehr in seine inneren Abgründe.
Jurybegründung
Ein Animationsfilm, der durch seine eigenwillige Mischung aus lakonischem Humor, liebevoller Bildgestaltung und wendungsreicher Skurrilität besticht. In der Figur des ständig frierenden Detlev wird ein Mensch gezeigt, der zwischen Isolation, Sehnsucht und Alltagsritualen gefangen ist — und doch in einem unscheinbaren Toast Hawaii einen letzten Rest von Geborgenheit findet. Die Begegnung mit dem Fremden markiert einen subtilen, aber existenziellen Bruch: Hier wird die fragile Balance von Intimität und Scham, von Bedürfnis und Einsamkeit auf beklemmende Weise ausgelotet. Dem Film gelingt es, von mehr als der Zerbrechlichkeit menschlicher Routinen zu erzählen — er schafft es, einen eigenen Bedeutungsraum zu öffnen. Auf wundersame Weise verwebt sich in dieser Geschichte ein sozialkritisches Element mit filmischer Leichtfüßigkeit. Mit präziser Dramaturgie und atmosphärisch dichter Animation gelingt es dem Film, sich ins Surreale zu überhöhen und das Vielschichtige witzig sichtbar zu machen. Klassische Stereotype wachsen buchstäblich über sich hinaus: so auch Detlev. Aber ist das die Pointe? Nach diesem Film bleibt irgendwie auch eine sehr gelungene Leerstelle, mit der wir nach Hause gehen.Ferdinand Ehrhardt
Bei Ferdinand Ehrhardt, geboren 1999 in Dresden, führte das Spielen mit den Kuscheltieren seines Bruders über viele glückliche Fügungen zu seinem Animationsstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Dort erlernte er das audiovisuelle Erzählen und schloss mit dem Stop-Motion-Kurzfilm DETLEV sein Studium 2024 ab.