(c) Ulu Braun

Das Glitzern im Barbieblut

Deutschland 2021 | Experimentalfilm | Deutsch | 27 min. | FSK 6
Nominierung in der Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie, Drehbuch, Montage: Ulu Braun
Kamera: Kai Herrmann
Ton: Jochen Jezussek
Darsteller*innen: Gina-Lisa Maiwald, Mietze Maiwald, Dietlind Sommer, ...
Musik: Fritz Rating
Produktion: Ulu Braun

Eine junge Mutter und ihre Töchter unter einer Brücke. Die Kamera scannt die Umgebung ab und folgt ihnen um die Welt. Wir tauchen ein in eine fantasievolle Reise über Sinneswahrnehmungen, Selbstfindung und Gesellschaftsstrukturen. Ein rebellisches „Malen nach Zahlen“ unter dem Radar der Symbole: Vom Vater (Mercedes-Händler) über das Barbie-Pferd bis hin zur Ruine der weltgrößten Autofabrik in Detroit.

Jurybegründung:
Die kleine Tochter einer wohnsitzlosen umherreisenden jungen Frau filmt ihre Umgebung und führt einen Dialog mit ihrer Mutter. So scheint es. Doch was ist wahr in dieser rastlosen 27-minütigen Kameraerkundung urbaner Landschaften, in denen Menschen und Dinge in zufällig wirkenden Arrangements über weite Distanzen surreal miteinander verbunden wirken? Die Welt erscheint als ein gigantisches Zeichensystem: Mercedessterne, blinkende Hörgeräte, CD-Scheiben, eine vermisste Katze, ein Fahrradkurier oder die titelgebenden Barbiepuppen sind wiederkehrende Elemente in DAS GLITZERN IM BARBIEBLUT. Die irrwitzige Montage eines umherschweifenden Blicks manövriert uns von Berlin bis nach Detroit, die Position des Betrachters verschiebt sich, Grenzen von Ort und Zeit lösen sich auf. Dabei entstehen kristallklare Visionen unserer täglichen Umgebung, in der sich privater und öffentlicher Raum immer stärker durchdringen. Ein Eintauchen in die Hinter- und Abgründe sozialer Verhältnisse, dass einen schwindelt. Aber auch ein Film voller kindlicher Entdeckerfreude, der uns wieder das Sehen lehren kann, jenseits der Miniaturbildschirme mobiler Endgeräte. In seiner Lust am Fortspinnen erzählerischer Fragmente und den gezielten Einsatz von Musik spielt Ulu Braun zudem hintergründig mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers. Ein großes Vergnügen!

Ulu Braun

Ulu Braun
Geboren 1976 in Schongau, lebt und arbeitet in Berlin. Von 1996 bis 2005 studierte er Film und bildende Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien, Akademie der bildenden Künste Helsinki und der Filmuniversität Babelsberg. Seit 1999 produziert er Filme im Spannungsfeld von bildender Kunst und Kino und hat die Genres Videocollage und Hybridfilm maßgeblich mitgeprägt und weiterentwickelt.

Filmografie (Auswahl):
2021         Saturne
2018/2019 Frei Zeit
2017/2018 Burkina Brandenburg Komplex
2017          Die Herberge
2014/2015 Architektura