Rachelle, die Protagonistin des Films, schläft auf ihrem Bett. Das Zimmer ist dunkel, nur ein dünner Sonnenstrahl kommt durch das Fenster herein und scheint auf ihren Arm.

Die ganze Nacht

Experimentalfilm | Argentinien, Burkina Faso, Deutschland 2025 | 15'00 | Deutsch, Französisch, Mòoré, UT | FSK 6
Nominierung Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie : Alejo Franzetti
Produktion: Alejo Franzetti
Schnitt / Editing: Alejo Franzetti
Bildgestaltung / DOP: Alejo Franzetti
Drehbuch / Script: Alejo Franzetti, Rachelle Ouederaogo
Besetzung / Cast: Rachelle Ouederaogo
Rachelle fährt nach Hause, in Berlin. Issaka schreibt ihr von seinem Zuhause in Ouagadougou. Sobald Rachelle angekommen ist, antwortet sie mit einer ihrer typischen Nachrichten, in der sie ihren langen Weg nachzeichnet: Der Tiergarten bei Nacht, eine letzte U-Bahn, die (Nicht-)Begegnung mit Fanny, die beleuchteten Fenster, die Konfrontation mit dem Faschisten, Hölderlin in der S-Bahn. Dann geht Rachelle schlafen – die Sonne scheint: Gute Nacht! Eine Nocturne und Raumaneignung durch Sprache.
Jurybegründung
Die Geschichte einer schlaflosen Nacht in Berlin. Rachelle erzählt sie als Sprachnachricht an ihren alten Freund Issaka, der wieder nach Ouagadougou zurückgekehrt ist. Sie streift durch den Tiergarten, betrachtet die Fassaden mit ihren erleuchteten Fenstern und sinniert über mögliche Lebensgeschichten dahinter. In fast heiterem Ton schildert sie die rassistische Beleidigung in einer S-Bahn und ihre Entgegnung mit dem Hölderlin-Gedicht „Die Heimat“. Ihr Vortrag eröffnet eine erfrischende Verschiebung der Perspektive: Wer ist hier der oder die Fremde? Wie ein offenes Gebäude umrahmt Luciano Berios Musikstück den Film, nächtliches Großstadtrauschen und exotische Vogelstimmen orchestrieren traumartig halbdunkle Bildsequenzen am Rande der Erkennbarkeit. In dieser entrückten Zwischenzone ist Rachelle unsichtbar und damit ganz bei sich. Mit klaren reduzierten Mitteln gelingt es Alejo Franzetti in DIE GANZE NACHT die Situation einer Frau zu skizzieren, die vom Wunsch nach Zugehörigkeit beseelt, ihren Platz in der Gesellschaft mit Optimismus und Selbstbewusstsein zu behaupten weiß.

Alejo Franzetti

Alejo Franzetti wurde in Buenos Aires geboren. Er graduierte an der Universidad del Cine und war Meisterschüler von Thomas Arslan an der Universität der Künste in Berlin. Seine Filme wurden auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt.