Kurzfilmtournee 2017

Ocean Hill Drive

Deutschland 2016 | Experimentalfilm | 20 min | FSK 0
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold für Experimentalfilme bis zu 30 Minuten
  • Regie, Schnitt: Miriam Gossing, Lina Sieckmann
  • Kamera: Christian Kochmann
  • Ton: Tim Gorinski
  • Produktion: Kunsthochschule für Medien, Gossing/Sieckmann

OCEAN HILL DRIVE untersucht in dokumentarischen Bildern das seltene Phänomen des 'shadowflicker', welches sich aufgrund einer zu dicht platzierten Windturbine in einer Vorstadtsiedlung nahe Boston ereignet. Der pulsierende Schattenwurf dringt in die häusliche Sphäre verschiedener Eigenheime der US-amerikanischen Suburbia und bewirkt eine hypnotisierende Unterbrechung der gewöhnlichen Wahrnehmung von Raum und Zeit. Der sogenannte Flickereffekt, ein aus dem Kontext des strukturellen Experimentalfilms bekanntes Motiv, taucht hier innerhalb dokumentarischer Aufnahmen verschiedener Wohnräume und Landstriche der amerikanischen Ostküste auf und stellt das soziale und psychologische Gleichgewicht der Nachbarschaft zunehmend in Frage. Der von einer Sprecherin aus dem Off vorgetragene Text setzt sich aus fragmentarischen Originalaussagen verschiedener Anwohner zusammen. Es entsteht eine eindringliche Narration an der Grenze zwischen Dokumentarismus und Fiktion.


Jurybegründung

Es ist Nichts. Nur ein paar flickernde Schatten. Ganz so, als klimpere das Tageslicht mit überlangen Wimpern. Eine winzige Verrückung im Sichtbaren, und doch wirkt sie so massiv bedrückend und verunsichernd, dass wir visuell nachspüren können, welches Phänomen die Bewohner dieser Häuser in einem namenlosen Vorort irgendwo bei Boston die Flucht ergreifen ließ. Eine Folge fehlplatzierter Windturbinen, heißt es in der Synopse. Die Filmemacherinnen Miriam Gossing und Lina Sieckmann haben aus diesen mysteriösen Vorfällen und den Legendenbildungen ängstlicher Einwohner einen wunderschönen, konzeptionell überzeugenden experimentellen Dokumentarfilm gesponnen. Sie streifen in ruhigen, saugenden Bildern über irritierte Oberflächen, schauen durch Fliegengitter, Fenster und Stoffe in die Textur einer subkutanen Angst. Verlassene Interieurs und leergeräumte Straßenansichten laden sie kunstvoll mit den Überhöhungen des und der Verdrängten auf. Dafür haben die beiden und ihr Film OCEAN HILL DRIVE die Lola für den besten experimentellen Kurzfilm verdient.

Lina Sieckmann, Miriam Gossing

Lina Sieckmann (geboren 1988 in Engelskirchen), Miriam Gossing (geboren 1988 in Siegburg); 2009-2015 Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln; 2015 Diplom mit Auszeichnung für den Film OCEAN HILL DRIVE; seit 2016 Gaststudium an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Prof. Rita McBride
Als Künstlerinnenduo haben Miriam Gossing und Lina Sieckmann mehrere experimentelle Arbeiten auf 16mm Film realisiert, die die Grenzen zwischen Dokumentarismus und Fiktion ausloten und dabei den Blick auf private wie urbane Architekturen, hyperinszenierte Räume und Oberflächen der Sehnsucht richten.
Ihre Filme werden international auf Filmfestivals und in Austellungen gezeigt (u.a. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Videonale, EXIS - Festival for Experimental Film Seoul, Center for Contemporary Art Tiflis, Galerie Patrick Ebensperger Berlin, Kunstmuseum Bonn). 2016 erhielten sie das Chargesheimer Stipendium für Medienkunst der Stadt Köln.


Filmografie

  • 2015 Desert Miracles
  • 2014 Sonntag, Buescherhoefchen 2