Kurzfilmtournee 2019

IMPREZA - Das Fest

Deutschland 2017 • Dokumentarfilm • polnisch m. dt. UT • 75 Min. • FSK 0
Sonderpreis des Deutschen Kurzfilmpreises
Regie, Drebuch: Alexandra Wesolowski
Kamera: Denis D. Lüthi
Schnitt: Martha Ewa Wojakowska, Alexandra Wesolowski
Musik: René Dohmen (Dürbeck & Dohmen)
Produktion: Dreifilm mit Hochschule für Fernsehen und Film München

Sommer 2016, in Polen regiert seit etwa einem Jahr die rechtskonservative PIS. Die Matriarchin Danuta bereitet das Programm für ihre Goldene Hochzeit vor und nimmt dabei ihre ganze Familie in die Pflicht. Danutas Enkelkinder sind es gewohnt, die kreativen Eskapaden ihrer Großmutter mitzutragen, und fügen sich ihrem Schicksal. Für dieses Jahr hat Danuta eine Modenschau geplant, bei der die Mädchen die Lieblingskleider ihrer Großmutter aus den vergangenen Jahrzehnten präsentieren sollen. Die Grande Dame will dazu aus ihrem Leben plaudern, Anekdoten zum Besten geben, die sie in den modischen Kreationen erleben durfte. Einige Tage vor dem großen Ereignis reist Alexandra, die deutsche Nichte, in Warschau an und will bei den Vorbereitungen helfen. Aber kaum sitzt sie am Tisch, dominiert Politik jedes Gespräch nicht nur mit Danuta, auch mit allen anderen Mitgliedern des Clans. Alexandra merkt, dass sie mit ihren liberalen Ansichten alleine dasteht und dass die Frauen in ihrer Familie sich kein bisschen mit Zielen wie Emanzipation, Frauenrechten oder offenen Grenzen identifizieren. Sie möchte herausfinden, wie der ideologische Graben zwischen ihr und ihrer Familie so groß werden konnte.

Jurybegründung:
Die Goldene Hochzeit der Tante führt Alexandra aus Deutschland zurück nach Warschau in das Haus ihrer großbürgerlichen Familie. Hier wird bei jeder Gelegenheit über Politik diskutiert. Doch obwohl alle dieselbe Sprache sprechen, wird schnell deutlich, dass Alexandra mit ihrem liberalen Standpunkt nicht verstanden wird, genauso wie sie die Ansichten ihrer in Tradition und Religion verwurzelten Familie nicht verstehen kann. Egal ob Nationalismus, Frauenrechte oder die Flüchtlingskrise: Die Gespräche in der Familie sind geprägt von starken Meinungen und scheinen symptomatisch für die gegenwärtige Fragmentierung der Gesellschaft in Europa. Durch seine Innenperspektive gibt der Film von Alexandra Wesolowski aber einen wichtigen und seltenen Blick frei auf die Gründe für den kritischen Blick der Polen auf Europa und bleibt dennoch bei allen Diskussionen fair. Denn nicht miteinander reden ist auch keine Lösung.

Alexandra Wesolowski

Alexandra Wesolowski wurde in Polen geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. Sie studierte Politikwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und seit 2008 Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Sie ist ehemalige Stipendiatin der Kirch-Stiftung für Medienkunst und arbeitet in München als Regisseurin und Konzepterin.