Rückblickend betrachtet
Dokumentarfilm, Experimentalfilm | Deutschland 2025 | 14'56 | Deutsch | FSK 12
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold - Kategorie Dokumentarfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie :
Mila Zhluktenko, Daniel Asadi Faezi
Produktion: Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko
Drehbuch / Script: Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko
Schnitt / Editing: Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko
Bildgestaltung / DOP: Tobias Blickle
Tongestaltung / Sound Design: Andrew Mottl
Original-Filmmusik / Original Score: Hora Lunga
Arbeitsmigrant*innen bauen ein Einkaufszentrum für die Olympischen Spiele 1972 in München. Im Jahr 2016 wird derselbe Ort zum Schauplatz eines rassistischen Anschlags. „Und jetzt dieser Hass“, stellt eine Frau in Sohrab Shahid Saless' Film EMPFÄNGER UNBEKANNT von 1983 fest.
Jurybegründung
Nach 1936 präsentiert sich Deutschland Anfang der 1970er Jahre erneut als Gastgeber der Olympischen Spiele. „Waldi“, ein bunter Stoffdackel, soll Leichtigkeit, bayerische Gemütlichkeit und ein weltoffenes Land verkörpern. Doch es kommt anders: Eine Geiselnahme der israelischen Mannschaft verläuft tödlich. Zurück bleiben architektonische Zeichen des Fortschritts — ein schwebendes Zeltdach, sowie das Olympia-Einkaufszentrum an der Hanauer Straße, seinerzeit die größte Shoppingmall Europas. Errichtet wurde es von angeworbenen Arbeitenden aus Italien, Jugoslawien und der Türkei, die den Wohlstand mit aufbauten, aber selten Teil von ihm wurden. Mit dem Ende des Wirtschaftsbooms tritt der Rassismus noch offener zutage. Semra Ertan, Dichterin und Aktivistin, verbrennt sich Anfang der 1980er Jahre aus Protest gegen den allgegenwärtigen Hass. Jahrzehnte später, 2016, fallen neun junge Menschen mit Migrationsgeschichte einem rechtsterroristischen Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum zum Opfer. RÜCKBLICKEND BETRACHTET ist ein lang nachhallender Essayfilm, der archivarisches und eigenes Material übereinanderschichtet zu einem Trümmerhaufen deutscher Nachkriegsgeschichte.Mila Zhluktenko
Mila Zhluktenko wurde 1991 in Kyiv, Ukraine geboren. 2014 begann sie ihr Studium der Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Seitdem führte sie Regie bei mehreren Kurzfilmen, die auf zahlreichen Festivals gezeigt und ausgezeichnet wurden, u. a. bei IDFA, Visions du Réel und DOK Leipzig.
Daniel Asadi Faezi
Daniel Asadi Faezi, geboren 1993, studierte Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München und am National College of Arts in Lahore, Pakistan. Seine Arbeiten wurden weltweit auf Festivals gezeigt und ausgezeichnet, etwa in Locarno und bei DOK Leipzig. Er war Teilnehmer von Berlinale Talents.