Kurzfilmtournee 2019

Joe Boots

Deutschland 2017 • Dokumentarfilm • englisch m. dt. UT • 30 min. • FSK 12
Nominierung in der Kategorie Dokumentarfilm bis 30 Minuten Laufzeit
Regie: Florian Baron
Bildgestaltung: Johannes Waltermann
Schnitt: Maja Tennstedt
Sounddesign: Jana Irmert
Protagonist: Joe Boots

Unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. September entschließt sich Joe zum Militär zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist er 17 Jahre alt und verlässt die Highschool mit großen Zukunftsträumen. Als er aus der Grundausbildung zurückkommt, geben ihm seine Freunde den Spitznamen Joe Boots. Schon kurze Zeit später schickt man ihn zum Einsatz in den Irak. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Pittsburgh
muss er feststellen, dass ihn seine Erfahrungen im Krieg nicht mehr loslassen. Joe erzählt ohne Scheu von seinem Trauma: wie er die Kontrolle
über sein Leben verliert, und vergeblich nach Hilfe sucht. Denn seine Wunden sind unsichtbar.

Jurybegründung:
Joe Boots, ein junger US-Amerikaner aus der Arbeiterschicht, leidet nach seinen Erlebnissen als Soldat im dritten Golfkrieg an einer posttraumatischen Belastungsstörung, wogegen ihm die Militärärzte nichts weiter als Pillen anzubieten haben. Als er die Medikamente absetzt, weil sie seine Depressionen verstärken, verwirkt er den Anspruch auf eine Invalidenrente. Dass Joe Boots nicht zu den 22 Kriegsveteranen zählt, die sich täglich in den USA das Leben nehmen, verdankt er möglicherweise einer Erkrankung an Multipler Sklerose, aufgrund derer er sein Leben verändert. Florian Baron stellt uns einen kranken Mann als Resultat und Abbild einer nicht weniger kranken westlichen Gesellschaft vor, indem er die Geschichte von Joe Boots, die uns dieser selbst sehr eindringlich erzählt, mit unschuldig scheinenden, herausragend komponierten Bildern konfrontiert und uns damit nicht nur ein berührendes Einzelschicksal, sondern zugleich ein höchst sehenswertes zivilisatorisches Manifest zeigt.

Florian Baron

Florian Baron wurde 1984 in Berlin geboren. Während seiner Schulzeit drehte er seinen ersten Dokumentarfilm. Von 2004 bis 2006 lebte Florian Baron in Japan, wo er verschiedene Filmprojekte realisierte. Von 2007-2012 studierte Florian Baron Film- und Fernsehregie an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg und schloss sein Studium mit dem Diplom (mit Auszeichnung) ab. Während seines Studiums realisierte er unter anderem die Filme RADIO TAXI für ARTE, sowie seinen Abschlussfilm THE FINAL CALL (Wettbewerb Max-Ophüls-Preis 2012). 2014 erhielt er vom DAAD ein „Stipendium zur künstlerischen Weiterbildung“ für die University of Pittsburgh, USA, um dort für sein Filmprojekt über junge Kriegsveteranen zu recherchieren. 2015 gründete er die Produktionsfirma Machnitzky Filmproduktion für die Realisierung des Projekts Joe Boots im Auftrag von ZDF/3Sat, sowie des Kino-Dokumentarfilms STRESS (in Postproduktion).