(c) Manuel Abramovich

Blue Boy

Deutschland 2019 • Dokumentarfilm • rumänisch, deutsch • 19 Min. • FSK 16
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie für Dokumentarfilme bis 30 Minuten
Regie, Drehbuch, Kamera: Manuel Abramovich
Ton: Francisco Pedemonte
Schnitt: Cătălin Cristuţiu
Darsteller: Florin, Michel, Razvan, Stefan, Mihail, Marius, Rafael, Roberto
Produktion: Manuel Abramovich mit dem Werkleitz Center

In der Blue Boy Bar in Berlin treffen sich seit 40 Jahren junge Männer aus aller Welt. Am Tresen nehmen nacheinander sieben junge Männer Platz und lassen sich dabei filmen, wie sie ihren Erfahrungsberichten als Sexarbeiter zuhören. Als Betrachter ihrer Reaktionen wird der Zuschauer selbst Teil dieser Performance von ungleichen Machtverhältnissen, Ausbeutung und Voyeurismus.

Jurybegründung
Im warm ausgeleuchteten Innenraum einer Bar sitzen sieben junge Männer und schauen gebannt in die Kamera. Wir sehen, wie sie sich
selbst zuhören und lauschen mit ihnen, wie sie, meist in ihrer Muttersprache, über ihren Alltag sprechen, persönliche Begegnungen mit ihren
Freiern schildern und ihr Selbstverständnis und ihren Eindruck von Deutschland zum Ausdruck bringen. Wir beobachten ihre Mimik, die Regungen in ihren Gesichtern, sehen ihren Stolz und lesen ihre Scham.
In nur sieben statischen Nahaufnahmen gelingt es Manuel Abramovich so tief in die Seelenwelten der jungen Männer einzutauchen, dass das filmische Erleben fast zu intim zu werden droht. Dem Filmemacher war das Risiko der Entblößung seiner Protagonisten jedoch bewusst. Er legte eine schützende Klammer um das Ganze: Der erste der Männer hört seine eigene Einverständniserklärung und die Übertragung seiner sämtlichen Rechte an. Am Ende, unter dem Abspann, lauter Protest: „Her mit dem Geld! Nur weil Du bezahlst, tun wir nichts, was wir nicht wollen, verstanden?“ Die Beschimpfungen katapultieren uns hinaus aus der Welt der Escort-Bar, zurück in eine irritierende, aber angemessene Distanz. Manuel Abramovichs BLUE BOY ist ein ebenso riskantes wie eindringliches filmisches Unterfangen, bestechend in seiner Präzision.

Manuel Abramovich

Der Filmemacher und Kameramann wurde 1987 in Buenos Aires geboren. Er studierte Kamera an der dortigen ENERC. 2012 war er Teilnehmer der Berlinale Talents. Sein Kurzfilm LA REINA lief auf über 150 Festivals weltweit und gewann 50 Preise. Sein erster Langfilm, SOLAR, wurde beim Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente uraufgeführt. 2017 war er mit SOLDADO bei Berlinale Generation zu Gast. Er ist Stipendiat des diesjährigen Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Filmografie:
2013 LA REINA (The Queen)
2014 LAS LUCES (The Lights)
2016 SOLAR
2017 SOLDADO (Soldier)
2017 ANOS LUZ (Light Years)